Verbling: Sprachen lernen und lehren ohne Grenzen

Im aktuellen Programm der Münchner Volkshochschule (MVHS) werden knapp 400 Englischkurse gelistet, 332 Italienischkurse, 36 Arabischkurse, 43 Kurse für Chinesisch, 170 Französischkurse usw.
Was geschieht mit diesen Kursen (und mit den Dozenten), wenn sich nur weit genug herumgesprochen hat, dass sich eine Fremdsprache auch in virtuellen Klassenräumen lernen bzw. trainieren lässt, zu keinen oder nur sehr geringen Kosten?

Unter der Adresse verbling.com kann man sich in solche virtuellen Klassenräume hineinsetzen, wenn auch zunächst nur als passiver Zuhörer in die hinterste Reihe.
Geboten wird Unterricht in Echtzeit, Englisch oder Spanisch etwa von Muttersprachlern.
Um nicht nur zuzuschauen, sondern auch selbst in einer kleinen Gruppe von maximal 9 Personen mitzulernen, im Dialog mit dem Lehrer, benötigen Sie noch ein Konto bei Google und dann ein fix angelegtes Profil in Google+.

Natürlich auch ein Konto bei Verbling. Außerdem benötigen Sie ein Mikrofon und, wenn Sie von den anderen auch gesehen werden möchten, eine Webcam. Das sind zugleich die Voraussetzungen, wenn Sie selbst unterrichten möchten.
Technisch die Google+ Hangout nutzend werden auf der Plattform verbling.com fortgesetzt Livesprachkurse angeboten. Auch Privatunterricht (Tutoring) wird geboten.
Ebenso die Bildung von Gruppen und das Lernen mit Freunden im Tandem:
Ich übe Dich in meiner Sprache, Du mich in Deiner.
Als ich vor zwei Jahrzehnten die ersten E-Mails schrieb und erhielt, hatte ich ein ähnliches Gefühl: wie schnell, wie einfach, wie billig war auf einmal die Kommunikation, der Globus wurde klein dabei.
Und nun: wie schnell, wie direkt, wie billig kann das Lernen werden, jedenfalls das Lernen einer Fremdsprache. Und wie klein auch hier der Globus: Spürbar, wenn sich Lehrer oder Mitschüler gerade in verschiedenen Kontinenten befinden.
Videokonferenzen gibt es schon seit Längerem, neu ist nur, dass damit buchstäblich bereits jedes Schulkind arbeiten könnte. Soweit auf Verbling oder ähnlichen Webplattformen im Tandem gelernt wird, gilt, was auch sonst das Web 2.0 charakterisiert:
Man ist „Prosument“, es herrscht ein ständiges Geben und Nehmen. Die Plattform hilft, die gewünschten Kontakte herzustellen, zu vernetzen, Schüler mit Lehrern, Schüler mit Schülern. Sie liefert die Infrastruktur für Begegnung und Austausch.

Mit dem Konnektivismus gibt es eine neue Lerntheorie, die den sich durch die Digitalisierung dramatisch wandelnden Umständen Rechnung tragen will.
Erstmals formuliert wurde sie 2005 von dem Kanadier George Siemens in seinem Aufsatz „Konnektivismus: Eine Lerntheorie für das digitale Zeitalter“.

Lernen wird hier als Prozess der Vernetzung gesehen, ähnlich dem Aufbau und der Verstärkung neuronaler Verbindungen im Gehirn, mit dem auf physiologischer Ebene das Lernen ja tatsächlich einhergeht.

Der Lernende vernetzt sich interagierend, online oder offline, mit Personen in einem informellen „Persönlichen Lernnetzwerk“ (PLN).
Er vernetzt sich ebenso mit Orten und Organisationen. Er selbst vernetzt und verbindet Informationen, Daten, Bilder, … und dokumentiert das fortlaufend etwa in einem Wiki oder auf einem Blog – die durch Links im Web wiederum vernetzt sind. Mit allem zusammen erschafft er sich seine persönliche Lernumgebung, sein Personal Learning Environment (PLE).

[Der leicht modifizierte Text ist einem vom Autor verfassten Studienheft für den neuen ILS-Kurs „E-Learning Manager“ entnommen.]

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